1001 Sterne 

Wer von Marrakech aus die Sahara besichtigen will, der sollte sich auf eine kleine Reise einstellen. Gute 10 Stunden Autofahrt und das Atlasgebirge trennen die verwinkelte Stadt von der weitläufigen Sanddünen. Wir buchten eine 2 Nächte 3 Tage Tour, die nicht allzu stressig ablaufen sollte. Die wirklich sehr touristisch aufgezogene Tour hat sich dennoch auf jeden Fall gelohnt. 
In einem kleinen Reisebus ging es zunächst durch das weitläufige Atlasgebirge mit ordentlich Schnee. Die erste Nacht verbrachten in einem Hotel auf unserer Route. Bis zu unserer Ankunft am Rande der Wüste folgten noch einige Zwischenstopps. In Ben Haddou und Dades gorge wurden wir -genau wie dutzende andere Tourigruppen- herumgeführt. Es wurde immer wieder betont, dass es bei der Tour nicht nur um die Sahara gehen würde, sondern dass auch diese Plätze zu Marokko gehören. Doch „Kultur“ die den Touristen an jeder Ecke von Tourguides vorgespielt wird, lässt sich nicht wirklich mit der Realität vergleichen. Die Orte waren dennoch schön und auch die Natur beeindruckend. 


Am Nachmittag des zweiten Tages kamen wir endlich an der Sahara an. Langsam wurde das Geröll am Rand der Straße feiner, bis diese schließlich durch die Vorläufer der Dünen führte. Als wir mit unserer Kamelkarawane aufbrachen war der Himmel strahlend blau. Die Nachmittagssonne schien auf den roten Sand. Die mächtigen Dünen leuchteten warm. Wie ein Messerschnitt verlief der surreale Kontrast zwischen Sand und Himmel. Unsere Schatten tanzten über die feinen Sandkörner, als wir uns unseren Weg durch die Wüste bahnten. 


Als die Sonne nur noch kurz über dem Horizont stand, machten wir Pause und kletterten auf eine Düne. Wir saßen in zwanzig Meter Höhe auf dem aufgewärmten Sand und staunten, als die letzten Sonnenstrahlen über die Hügel tanzten und ein wunderschönes Farbenspiel vollzogen. 


Bei völliger Dunkelheit erreichten wir unser Beduinencamp. Wir waren in kleinen Zelten untergebracht und verbrachten den Abend am Lagerfeuer mit traditioneller Musik und Gesang. Direkt hinter unserem Camp ragte eine Düne empor, geschätzt 100 Meter hoch. Die Flammen des Lagerfeuers tanzten an der Wand dieser entlang, verliehen ihr etwas mystisches. Gegen Mitternacht machten wir uns auf, genau diese Düne zu erklimmen. Beflügelt von der kühlen Nachtluft lief unsere Gruppe los, die Füße versanken bei jedem Schritt im feinen, kalten Sand. Nachdem der erste Adrenalinrausch vorbei war, fiel das laufen mit jedem Höhenmeter schwerer und die Luft stach beim Atmen in der Lunge. Mit brennendem Atmen erreichten wir die Spitze. Der Camp zu unseren Füßen erschien so klein, die Tausende und Abertausende Sterne uns so nah. Die Milchstraße war in dieser Nacht besonders gut zu sehen und auch dutzende Sternbilder standen über der Wüste. Wir saßen in dem kalten Sand, der kühle Wind pfiff über die Dünen hinweg und wir fühlten uns so lebendig wie schon lange nicht mehr. Nach minutenlangem Staunen und Verschnaufen zogen wir unsere mit Sand gefüllten Schuhe aus und liefen los. Die Lichter unserer Taschenlampen huschten vor unseren Füßen hin und her, während wir fast blind die mühsam erklommenen Meter hinunterrannten. 


Es war noch dunkel als wir auf den Rücken der Kamele in Richtung Straße aufbrachen. Weit hinter uns war ein heller Streifen am Horizont zu erkennen. Mit jeder Düne die wir hinter uns ließen, stieg die Sonne ein Stückchen weiter empor. Der kalte Sand wurde erst gelb, dann leicht orange, bis das satte, fast rot erscheinende Orange von der Morgensonne bestrahlt wurde. Auch auf diesem Weg machten wir Halt, um dieses Naturschauspiel zu betrachten. Es war unbeschreiblich wie sich mit jeder vergangenen Minute der Sand verfärbte, die Dünen erleuchteten, die Schatten tanzten. 

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